VoCasion

Aufbau von Kapazitäten und Graduate Schools sowie die Implementierung eines Promotionsstudienganges zur Berufsbildungsforschung in Georgien

Im Zeitalter der Globalisierung ist Bildung der Schlüssel zum nachhaltigen Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Teilhabe. In diesem Zusammenhang steigt die Relevanz der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Das deutsche Berufsbildungssystem genießt international eine hohe Wertschätzung und dient vielen Ländern als Leuchtturm für die Modernisierung der nationalen Berufsbildungssysteme. Dies gilt auch für Georgien, das sich aktuell besonders deutlich um Reformen bemüht. Grund dafür sind die maroden Bildungsstrukturen, welche mit den wachsenden Qualifizierungsbedarfen nicht mehr Schritt halten können. Es mangelt vor allem an zukunftsfähigen, nachhaltigen Konzepten und Strukturen, die gezielt auf die Qualifizierung berufsbildender Lehrkräfte abheben, womit zugleich das Fundament einer qualitativ hochwertigen Berufsbildung fehlt.

Hier setzt VoCasian an. Das übergeordnete Ziel der bilateralen (deutsch-georgischen) Berufsbildungszusammenarbeit manifestiert sich im Aufbau von Graduate Schools sowie der Entwicklung und Implementierung eines bedarfsgerechten Promotionsstudienganges. Diese Maßnahmen dienen a) dem Aufbau von Kapazitäten zur Professionalisierung berufsbildender Lehrkräfte, b) der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Feld der Berufsbildungsforschung sowie c) der hochschulübergreifenden und interdisziplinären Vernetzung von Experten.

Vergangene Berufsbildungsprogramme verdeutlichen, dass sich einzelne Elemente, Konzepte oder Systemkomponenten fremder Bildungssysteme nicht spiegelbildlich in andere Länder transferieren lassen, sondern mit den bildungspolitischen, ökonomischen sowie sozialen Rahmenbedingungen und Zielen der Empfänger-Staaten harmonisieren müssen. Demgemäß erfolgen sowohl die Planung und der Aufbau der Graduate Schools als auch die Ausgestaltung des jeweiligen Angebotsportfolios (Promotionsprogramme, Serviceleistungen, Trainings etc.) empirisch gestützt. Gleiches gilt für die Konzeption des Promotionsstudienganges zur Beruflichen Bildung und Berufsbildungsforschung. Das methodische Vorgehen orientiert sich am Schlüsselgrößen-Modell nachhaltiger Berufsbildungszusammenarbeit (Stockmann, 2019). Demgemäß fußen Planungs- und Designentscheidungen internationaler Berufsbildungsmaßnahmen auf einer umfassenden ex-ante Evaluation (z. B. Bildungsbedarfs-, Situations- und Stakeholderanalysen).

Im Rahmen einer Stakeholderanalyse werden alle relevanten Anspruchsgruppen (Hochschulen, Studierende, Ministerien, Unternehmen) identifiziert und bezüglich der jeweiligen Interessen sowie des Einflusses auf die Profilbildung der Graduate Schools und des anwendungsorientierten Promotionsstudienganges untersucht. Dadurch werden nicht nur die unterschiedlichen Interessenslagen der beteiligten Akteure erschlossen, sondern auch potentielle Interessenskonflikte und mögliche Hindernisse für den Projektverlauf aufgedeckt. Das frühzeitige Erkennen von Widerständen und Gefahren erlaubt die Erarbeitung anforderungsgerechter Lösungen. Parallel dazu werden die Bildungs- und Qualifikationsbedarfe berufsbildender Lehrkräfte aus Sicht der Hochschulen, Berufsbildungseinrichtungen, Privatwirtschaft und Bildungspolitik erfasst, wobei unterschiedliche Organisationseinheiten und Hierarchieebenen (z. B. Leitungs- und Fachebene) berücksichtigt werden. Um einen möglichst umfassenden wie detaillierten Einblick in die Rahmenbedingungen und Bildungsbedarfe des Ziellandes zu erhalten, wird Mixed-Methods und im Querschnittsdesign gearbeitet. Der georgische Hochschulpartner wird sowohl in die Konzeptualisierung und Operationalisierung (Fragebogenkonstruktion, Erstellung der Interviewleitfäden) als auch die Datenerhebung und -auswertungen eingebunden. Damit spiegelt sich die Partizipation auf allen Evaluationsebenen wider, womit ein wesentlicher Beitrag zum capacity building geleistet wird.

Die Ergebnisse der ex-ante Evaluation fließen in die Konzeption des Promotionsstudienganges ein. Dieser wird an der Ivane Javakhishvili Tbilisi State University implementiert sowie formativ und summativ evaluiert.

 

Projektdaten und Kontakt

 

Laufzeit

01.10.2020 - 31.03.2023

 

Förderkennzeichen

01BF18010A

 

Ansprechpartner*innen

Marcel Martsch

 

Projektleitung

Prof. Dr. Frank Bünning

 

Projektmitarbeiter*innen

Marcel Martsch

Hannes Tegelbeckers

 

Kooperierende Institutionen (national und international):

  • Ivane Javakhishvili Tbilisi State University, Tbilisi
  • Georgien Batumi Shota Rustaveli State University, Batumi
  • Ministry of Education and Science (Bildungsministerium Georgien)